Fundstück: Brennhexe

Ein wichtiges Stück Alltag nach dem Zweiten Weltkrieg

Vor 75 Jahren endete auch in Oldenburg der Zweite Weltkrieg. Die folgende Nachkriegszeit war von vielen Entbehrungen geprägt. Zur einheimischen Bevölkerung kamen etwa 40.000 Flüchtlinge und Vertriebene hinzu, die zunächst in privatem Wohnraum und Sammellagern untergebracht wurden. Oldenburg wurde quasi von einem Tag auf den anderen zur Großstadt mit über 100.000 Einwohnern. Nicht nur der Wohnraum war knapp, sondern auch die Koch- und Heizsituation war vielfach unzureichend.

 

Um die Situation zu entspannen, wurden kleine einfache Öfen in den Räumen aufgestellt (etwa in der Größe eines niedrigen Hockers). Mit der sogenannten Brennhexe konnte mit wenig Brennmaterial gekocht und wenigstens um den kleinen Ofen herum etwas Wärme erzeugt werden. Im besten Fall wurde die Abluft über ein Rohr aus dem Fenster oder in den Schornstein geleitet. Auch wenn ein Herd vorhanden war, musste vielfach auf eine Brennhexe ausgewichen werden, weil nicht genügend Brennmaterial vorhanden war. So erzählt es auch eine Teilnehmerin im Rahmen einer „Seniorenwerkstatt“ im Stadtmuseum (1995): „Oft reichten Holz und Torf nicht, um auf dem Herd kochen zu können. Wir hatten in der Waschküche eine Brennhexe, auf der meine Mutter abends immer Schmorkartoffeln machte. Statt des fehlenden Fetts wurde viel Wasser benötigt.“

Was es in der Nachkriegszeit bedeutete, Brennmaterial zu beschaffen, beschreibt ein anderer Teilnehmer der „Seniorenwerkstatt“, der bei Kriegsende zehn Jahre alt war: „Nach dem Krieg wurde noch mit Holz, Kohle und Koks geheizt. Auch diese Sachen gab es nur auf Marken. In den meisten Fällen reichte diese Zuteilung nicht aus. Da boten Torffirmen die Möglichkeit, durch Mitarbeit im Moor vorzugsweise Torf zu beziehen. Ich bin dann mit meiner Mutter – Pekol bot damals Gemeinschaftsfahrten an – nach Jeddeloh ins Moor gefahren. Dort wurden uns Spitts [abgetragene Torfschichten, Anm. d. Verf.] zugewiesen, dann ging es an die Arbeit. Der von der Torffirma gestochene Torf wurde von uns zu Hocken aufgeschichtet, damit er trocknen konnte. Wenn nach vier Wochen der Torf trocken war, ging die Arbeit nochmals los. Die Hocken wurden dann in Körbe verladen und zu einer Sammelstelle getragen und zu Mieten aufgeschichtet. Das war verdammte Knochenarbeit. Am Abend fiel man nur noch ins Bett. Anschließend mussten auch noch die versäumten Schulstunden nachgeholt werden.“

Die Brennhexe in der Sammlung des Stadtmuseums stammt aus Oldenburger Herstellung. Der metallverarbeitende Betrieb Frebel hat sie in Kriegs- und Nachkriegszeiten produziert. In der Familie Frebel ist überliefert, dass eine Brennhexe sowie regelmäßig drei Torfsoden in der Nachkriegszeit als Bezahlung für die Klavierstunden eines 7jährigen Familienmitgliedes dienten – typisch für den damals verbreiteten Tauschhandel. Viele Exemplare wurden später recycelt und haben sich nicht erhalten. Diese Brennhexe überdauerte die Zeiten und konnte so dem Stadtmuseum 2019 geschenkt werden.