Fragen und Antworten zum Neubau des Stadtmuseums

1. Zum Neubau des Stadtmuseums hat ein Wettbewerb stattgefunden. Dabei ist der Entwurf des Büros GME aus Achim als Gewinner hervorgegangen. Wie ist es zu diesem Ergebnis gekommen?

Die Anforderungen, die für den Architektenwettbewerb formuliert und in den Auslobungsdokumenten veröffentlicht wurden, sind aus fachlicher und städtebaulicher Sicht sowie anhand der Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern entwickelt worden. Insgesamt gab es 15 Entwürfe, die von einer elfköpfigen Jury beurteilt wurden. Die Jury bestand aus Fachentscheidern aus Architektur und Landschaftsbau, aus Sachentscheidern aus Politik und Verwaltung sowie beratenden Mitgliedern.

Bei der zweitägigen Preisgerichtssitzung gab es zunächst eine Infoveranstaltung mit rund 100 Bürgerinnen und Bürgern, die über die Entwürfe in Kenntnis gesetzt wurden und weitere Anregungen geben konnten. Die Rückmeldungen aus der Infoveranstaltung gaben der Jury ein Bild davon, wie einzelne Entwürfe angenommen würden. Am 23. Januar 2019 wurden die Preisträger in einem eindeutigen Votum festgelegt.

2. Wie lief die Jurysitzung ab?

In mehreren Rundgängen wurden die Entwürfe bewertet. Dabei taten sich die beiden Siegerentwürfe, besonders der Erstplatzierte, als beste Lösung hervor, was die Funktionalität für das Stadtmuseum als auch bauliche Lösungen im Zusammenhang mit Café und Horst-Janssen-Museum angeht. Zum einen bietet der Siegerentwurf die nötige Fläche für Dauer- und Sonderausstellungen und für die Museumspädagogik. Das Foyer mit seiner offenen Gestaltung und seiner Glasfront spricht die Besucherinnen und Besucher besonders an und lädt sie zu einem Museumsbesuch ein. Die Architekturbüros haben ihre Entwürfe anonym abgegeben, sodass auch die Jury nicht wusste, von wem welcher Entwurf stammt.

3. Der Siegerentwurf sieht vor, dass das Museum viergeschossig und etwa 24 Meter hoch wird. Warum ist ein so relativ hoher Bau erforderlich?

Das Stadtmuseum hat derzeit ein Platzproblem: Es gibt nicht genug Raum für die Dauerausstellung, die momentan nur provisorisch präsentiert wird, und auch für qualitätsvolle Sonderausstellungen sind die vorhandenen Räume nicht gut geeignet. Zudem sollen die Räumlichkeiten der Museumsvermittlung in das Stadtmuseum integriert werden, die zurzeit in der Raiffeisenstraße angesiedelt sind.

Deshalb war von vornherein klar, dass der Neubau dieses Problem durch Vergrößerung lösen muss. Da der Platz begrenzt ist – das Horst-Janssen-Museum auf der einen, die Öffentlichen Versicherungen auf der anderen Seite plus die bestehenden Straßen −, bleibt nur eine Richtung: nach oben.

4. Wird der Entwurf eins zu eins übernommen?

Es ist fast nie der Fall, dass Architekturentwürfe eins zu eins übernommen werden, da der Auftraggeber, in diesem Fall die Stadtverwaltung, häufig noch Verbesserungs- und Änderungswünsche hat, die sich aus der Feinplanung ergeben. So sind in der Fassade jetzt mehr Fenster vorgesehen als ursprünglich geplant. Das Architekturbüro GME, das den Auftrag für den Neubau erhalten hat, setzt diese Anpassungen aktuell um. Die betreffenden Ämter der Stadtverwaltung, darunter der Leiter des Stadtmuseums, sind dabei kontinuierlich im Gespräch mit dem Architekturbüro.

5. Der Entwurf hat wenig Fenster. Warum ist das für ein Museum gut?

Das hat zwei relativ simple Gründe: Erstens ist Sonnenlicht beispielsweise für Gemälde schädlich, da auf Dauer die Farben verblassen. Sonnenlicht lässt sich nicht gut regulieren und an die Ausstellungsgegenstände anpassen wie Kunstlicht. Ebenso kann die Temperatur besser angepasst werden, wenn die Sonne die Räume nicht durch großflächigen Lichteinfall aufheizt. Zweitens fehlt mit jedem Fenster Platz für die Hängung von Bildern, die sonst ausschließlich an Stellwänden hängen müssten.

Das offene und helle Foyer im Erdgeschoss ist fast völlig verglast und erlaubt schon von der Straße Am Stadtmuseum aus den Blick in den Museumsgarten. Im obersten Stockwerk wird es gleich zwei Highlights geben: Durch das „Oldenburg-Fenster“ können die Besucherinnen und Besucher über die ganze Innenstadt schauen. Auf der anderen Seite garantiert eine Terrasse einen schönen Blick auf die Villen und den Museumsgarten. Das größte Fenster erstreckt sich über mehrere Stockwerke und geht ebenfalls zum Museumsgarten raus.

6. Was wird im Museum durch den Neubau verbessert?

Ganz wesentlich: Es wird mehr Platz für Ausstellungen geben: 800 Quadratmeter für die Dauerausstellungen und 400 Quadratmeter für die Sonderausstellungen.

Die Stadtgeschichtliche Sammlung soll im Neubau völlig neu aufgestellt werden und mehr Raum bekommen. Auch an diesem Konzept wird derzeit intensiv gearbeitet. Einen Ausblick gibt die aktuelle provisorische Ausstellung der Stadtgeschichte in der Ballin’schen Villa, die schlaglichtartig einige Themen, Ereignisse und Entwicklungen der Oldenburger Stadtgeschichte darstellt. Die Besucherinnen und Besucher können direkt in der Ausstellung auch Wünsche und Anregungen einbringen.

Die Museumspädagogik wird direkt im Museumsneubau angesiedelt. Durch die Verbesserung der Räumlichkeiten – zwei Räume statt nur einem, und das im Museum selbst - wird sie mehr Möglichkeiten erhalten, die Ausstellungen des Stadtmuseums etwa in Workshops zu vermitteln. Davon profitieren nicht nur Schulklassen und Gruppen, sondern auch alle Teilnehmenden der zahlreichen Workshops.

Die Villen sollen durch ihren ursprünglichen Eingang in der Raiffeisenstraße wieder als eigenständiger Teil am Museumsstandort präsentiert werden. Die Besucherinnen und Besucher können dann aus dem Foyer durch den Museumsgarten die Villen erreichen.

7. Wann wird mit dem Bau begonnen?

Voraussichtlich Anfang 2021 starten die vorbereitenden Arbeiten, der Abriss beginnt nach dem aktuellen Zeitplan im März 2021. Der Bau wird etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen, sodass das Neue Stadtmuseum im Herbst 2023 eröffnen kann.

8. Wie hoch sind die Kosten?

Das lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen, da die Detailplanung noch läuft. Im Architektenwettbewerb ist eine Summe von rund 17 Millionen Euro vorgegeben worden, die auch den Umbau der Ballin‘schen Villa für Sitzungs- und Büroräume umfassen. Hinzu kommen Kosten für die Gestaltung des Vorplatzes. 8,5 Millionen Euro Förderung hat der Bund bereits bewilligt.

(Stand: Juni 2020)