Zur Geschichte des Stadtmuseums Oldenburg

Seit 100 Jahren ein Museum der Stadt

Quelle: Stadtmuseum
Die Francksen-Villa in der ehemaligen Rosenstraße. Quelle: Stadtmuseum Oldenburg

Das Stadtmuseum Oldenburg kann auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken. Es gehört zu den 43 Museen in Niedersachsen, die zwischen 1871 und 1918 gegründet wurden.

1910 machte der Oldenburger Kaufmannssohn, Jurist und Kunstsammler Theodor Francksen seine private Kunst- und Geschichtssammlung öffentlich zugänglich. 1914 vererbte er seinen Kunstbesitz und seine beiden Villen bei seinem Tode der Stadt Oldenburg und verband dieses Erbe mit der Verpflichtung, aus der privaten Sammlung ein städtisches Museum zu entwickeln.

Die Stadt Oldenburg hat die Stiftung des Theodor Francksen juristisch am 1. Januar 1915 mit allen Rechten und Pflichten angenommen. Seitdem hat sich das Museum, das zunächst „Heimatmuseum“ genannt wurde, stetig weiter entwickelt. Ohne die großherzige Stiftung Theodor Francksens wäre ein solcher Weg aber wohl kaum beschritten worden.

Der Stifter Theodor Francksen

Quelle: Stadtmuseum Oldenburg
Theodor Francksen. Quelle: Stadtmuseum Oldenburg

Theodor Francksen wurde als Sohn eines reichen Kaufmanns am 2. April 1875 in Oldenburg geboren. 1896 bestand er das Abitur am humanistischen Gymnasium in Oldenburg und studierte anschließend Jura in Lausanne, Heidelberg, Berlin und Göttingen, wo er bis 1900 immatrikuliert war. Sein Gesundheitszustand – er war unheilbar an Tuberkulose erkrankt – nötigte ihn, sein Studium zu beenden und nach Oldenburg zurückzukehren, wo er im Haus seiner bereits verstorbenen Eltern Kunst- und Geschichtsstudien betrieb.

In den Jahren 1902 bis 1906 unternahm er fünf ausgedehnte Italienreisen, um seine Gesundheit im milden Klima des Mittelmeerraumes wieder herzustellen oder wenigstens zu bessern. Er nutzte diese Reisen zugleich zur Erweiterung seiner Bildung und seines Kunstverständnisses.

Francksens Sammlung: Klinger, Goya, japanische Holzschnitte und Antiken

Bild: Francisco de Goya
Francisco de Goya, Soplones (Ohrenbläser), 1797/98, Radierung und Aquatinta, aus dem Zyklus Los Caprichos. Quelle: Stadtmuseum Oldenburg

Es ist besonders bemerkenswert, dass Theodor Francksen schon seit 1908 Kontakt zu den Malern der „Brücke“ in Dangast, zu Schmidt-Rottluff und Heckel gefunden hatte, sie in seinem Haus empfing und mehrere ihrer Werke erwarb, die dann leider im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ zum Teil verloren gingen. Dass Theodor Francksen, als er seine Kunstsammlung aufbaute, die aktuelle Kunstdiskussion seiner Zeit kannte, beweist der fast komplette Ankauf der Graphik Max Klingers und Francisco de Goyas im Jahre 1908 sowie der Erwerb einer umfangreichen Sammlung von rund 100 Blatt japanischer Farbholzschnitte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die für die Entwicklung der Modernen Malerei und Graphik wichtige Anregungen gegeben hatten.

Umfangreiche Graphik-Sammlung
Zusammen mit Porträtgraphik und topographischen Blättern umfasste die Graphik-Sammlung Theodor Francksens circa 7.000 Blätter. Dieser Grundbestand ist in den vergangenen 75 Jahren durch Schenkungen und Erwerbungen, insbesondere im Bereich der regionalen Kunst, fast verdoppelt worden. Theodor Francksen sammelte aber nicht nur Graphik, sondern auch Antiken, Ostasiatika sowie Gemälde und kunstgewerbliche Objekte mit oldenburgischem Bezug vom 17. bis 20. Jahrhundert, mit denen er das Wohnhaus seiner Eltern, das 1877 vom Hofbaumeister Gerhard Schnitger erbaut worden war, neu einrichtete und ausstattete.

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Die Jürgensche Villa nebenan, um 1900. Quelle: Stadtmuseum Oldenburg

Kauf der Nachbarvilla
Da das elterliche Haus die Sammlungen schließlich nicht mehr aufnehmen konnte, erwarb er 1908 die Nachbarvilla des Kaufmanns Jürgens, ließ sie durch einen Zwischentrakt mit der Francksen Villa verbinden und präsentierte nun seine Kunstschätze und seine Sammlung zur Stadtgeschichte in eigens dafür hergerichteten Räumen, die er interessierten Besuchern zugänglich machte.

Das Stadtmuseum ab 1915

In der Zeit von 1915 bis 1955 haben die Nöte von zwei Weltkriegen, die Auswirkungen der Inflation und die Zeiten des Mangels in den wirtschaftlichen Krisen eine rasche Entwicklung des Museums verhindert. Umso nachdrücklicher muss auf diejenigen hingewiesen werden, die in diesen schweren Zeiten sich für den Fortbestand, die Pflege und die Erweiterung der Sammlungen des Museums eingesetzt haben.

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Die erste ehrenamtliche Museumsleiterin Helene Knoche. Quelle: Stadtmuseum Oldenburg

Über 40 Jahre ehrenamtliche Museumsarbeit
Zu erinnern ist an Fräulein Helene Knoche, die das Museum bis 1938 ehrenamtlich leitete und zunächst von Dr. Raspe, dem damaligen Leiter des Kunstgewerbemuseums, dann nach dem Ersten Weltkrieg von Richard tom Dieck, dem ehemaligen Konservator der großherzoglichen Kunstsammlungen, fachlich unterstützt wurde. 1938 übernahm Schuldirektor a. D. Karl Orth die Leitung des Museums, dem 1940 bis 1956 Oberstudiendirektor i.R. Dr. Otto Müller folgte.

Der erste hauptamtliche Museumsleiter
Erst 1956 übernahm dann mit Dr. Wilhelm Gilly der erste hauptamtliche Wissenschaftler die Aufgabe, das Museum neu zu ordnen und weiterzuentwickeln. Er tat dies mit großem Engagement und verfolgte dabei die schon von Theodor Francksen angestrebte Grundkonzeption mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen, so dass sich mit der Grundrenovierung des Museums im Jahre 1975 die beiden Villen Theodor Francksens als nach Themenräumen geordnetes Ensemble aus einem Guss präsentierten.

Erweiterungen der Sammlungen und des Museums

Zuvor hatte das Stadtmuseum Oldenburg einen erheblichen Zuwachs erhalten. Der Oldenburger Künstler Bernhard Winter (1871-1964) hatte bei seinem Tode seinen gesamten Nachlass der Stadt Oldenburg geschenkt. Ein großer Teil dieses Nachlasses fand seine Aufstellung in den Erdgeschossräumen des Neubaus der „Neuen Galerie“ des Stadtmuseums, die 1968 errichtet wurde. Mit diesem Neubau erhielt das Museum auch einen großen Wechselausstellungsraum.

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Das Horst-Janssen-Museum und das Stadtmuseum Oldenburg bilden seit 2000 eine architektonische Einheit. Foto: Stadtmuseum

Hüppe-Saal als Sonderausstellungsfläche
Mit dem Neubau des Saales der Claus-Hüppe-Stiftung konnte schließlich 1995 auch die Wechselausstellungsfläche des Museums  verdoppelt werden, so dass nun nach vielen Jahren stetiger Entwicklung sich die Dauerausstellungs- und Wechselausstellungsbereiche zu einem ansprechenden und großzügigen Museumskomplex verbinden.

Der neue Nachbar Horst Janssen
Im Jahr 2000 eingefügt in das historische Gebäudeensemble und räumlich wie organisatorisch mit dem Stadtmuseum verbunden, findet sich der markante Bau des Horst-Janssen-Museums, dessen Eingang von beiden Museen als zentraler Besucherzugang genutzt wird.