19. Mai bis 17. Juni 2018

Wilde Zeiten – Fotografien von Günter Zint

© Günter Zint

Günter Zint versteht sich als politischer Fotograf, er gilt als Vorreiter eines sozial engagierten und aufklärerischen Bildjournalismus der jungen Bundesrepublik. Zint ist weit mehr als ein Chronist der soziokulturellen und politischen Entwicklungen: Auch aus der Perspektive der Agierenden, der Gegenkulturen heraus richtet er seinen Blick auf die Reaktionen der Gesellschaft. „Ich will Realität zeigen, meine Bilder sind Gebrauchsfotografien“, sagt Günter Zint über seine Arbeiten. Im Mittelpunkt stehen Motive aus dem Hamburger „St.-Pauli-Kiez“ sowie Fotos der Studenten-, Friedens- und Anti-Kernkraft-Bewegung.

© Günter Zint

Noch vor dem Zusammenbruch der DDR zieht es ihn in den Osten, beim Fall der Mauer dokumentiert Zint Euphorie und Ernüchterung der Ostdeutschen. Mit vielen seiner Arbeiten steht Zint in der Tradition der Arbeiterfotografiebewegung der Weimarer Republik. „Ran ans Motiv“ ist sein Motto, das er stets wörtlich nimmt. Über 60 ausgewählte Fotografien dieser Leih-Ausstellung des Hauses der Geschichte in Bonn zeigen die eindrucksvolle Bandbreite des Schaffens von Günter Zint und sind gleichzeitig ein Spiegel der bundesdeutschen Zeitgeschichte.

Über den Fotografen Günter Zint

Foto: Inge Kramer

Am 27. Juni 1941 geboren verbrachte Günter Zint seine Jugend in Fulda, verließ 1958 die Realschule und fing als Volontär bei der Deutschen Presseagentur in Frankfurt, Berlin und München an. Auf die Ausbildung zum Bildjournalisten und Redakteur folgten Reportertätigkeiten bei „Quick“ und „Twen“, ehe Zint als freier Fotograf in Schweden und England arbeitete.

Neben der Dokumentation des Zeitgeschehens, insbesondere von Jugend- und Protestbewegungen, galt sein berufliches Interesse schwerpunktmäßig der Musikszene in London, Berlin und Hamburg. 1964 gründete er die Agentur Pan-Foto in der Hansestadt. Zint war Stammgast im „Star-Club“ im Stadtteil St. Pauli und skizzierte mit seiner Kamera den Alltag im damals wohl „berühmtesten Beat-Club der Welt“. Er hatte die Großen der „Swinging Sixties“ vor der Kamera: von den Beatles über Jimi Hendrix und The Doors bis zu Frank Zappa. Viele Plattenfirmen und PR-Agenturen nahmen seine Dienste in Anspruch. Die Liebe des Kiezbewohners Zint zu „seinem“ Stadtteil St. Pauli gipfelte in der Gründung des St. Pauli Museums im Jahr 1991.

Heute lebt Günter Zint, der Vater von fünf Kindern ist, in einer Landkommune in der Nähe von Stade.