Erzählen gegen das Vergessen

Die Zukunft der Erinnerung

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2019 präsentiert das Kulturbüro der Stadt Oldenburg vom 13. Januar bis zum 3. Februar 2019 eine Ausstellung von HEIMATSUCHER e.V. und rückt die Arbeit des Vereins ins Zentrum der Veranstaltungsreihe. Alle Veranstaltungen finden im Schauraum des Oldenburger Stadtmuseums statt.


Als Medienpartner der Reihe begleitet der Oldenburger Lokalsender oeins diese Veranstaltungen und sendet einen Beitrag von Thomas Kleinspehn zu »Living History – Die Zukunft der Erinnerung an NS-Verbrechen « am 15. Februar 2019 um 18 Uhr auf UKW 106,5 und im Kabel.

Holocaust-Überlebenden zuhören

Foto: Björn Helpap
HEIMATSUCHER e.V.:; Foto: Björn Helpap

HEIMATSUCHER e.V.

Ursprünglich als Studienprojekt entstanden sind die HEIMATSUCHER seit 2014 ein eingetragener Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Geschichten von Holocaust-Opfern »nachfühlbar und begreifbarer« zu machen. Dazu tragen die HEIMATSUCHER die ihnen persönlich erzählten Geschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zusammen und machen sie in Ausstellungen und Seminaren zugänglich. Insgesamt haben die HEIMATSUCHER bisher 28 Überlebende getroffen. Einige der Biografien werden im Stadtmuseum anhand von eindringlichen Fotografien und Interviews vorgestellt.

Inspiriert durch den Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und seine Worte, »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden«, entwickelten die HEIMATSUCHER ihr Konzept der »Zweitzeugenschaft«.

Indem uns aber ein Zeitzeuge seine Geschichte anvertraut, übernehmen wir die Verantwortung der Zeugenschaft: Es ist die Verantwortung, diese Schicksale weiter zu tragen und sie unvergessen zu machen. (HEIMATSUCHER e.V.)

Über das Weitertragen der Geschichten von Überlebenden hinaus, vermitteln die HEIMATSUCHER in ihren Seminaren eine Kontaktaufnahme zu den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in Form persönlicher Briefe. Mit ihren an den Teilnehmerinnen und Teilnehmern orientierten Seminaren und Führungen möchten sie möglichst viele Menschen für die Überlebensgeschichten sensibilisieren. Die erzählten Geschichten sollen weitergegeben werden und Anlass sein, sich mit Rassismus und Ausgrenzung
auseinanderzusetzen.

Lieber Rolf, Ich habe von deiner Geschichte erfahren und bin gerührt. Ich wünsche dir viel Glück und Freude in deinem Leben und das du deine Erlebnisse verarbeiten kannst. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dieses Ereignis wird nicht vergessen. Bleiben sie gesund und passen sie auf sich auf.
(Schülerbrief aus dem Heimatsucher Projekt in der Gesamtschule Gummersbach, Januar 2018)


HEIMATSUCHER e.V. wurde für seine engagierte Arbeit mehrfach ausgezeichnet: unter anderem mit dem Stephanienpreis 2018, der Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf 2017, dem startsocial Sonderpreis der Bundeskanzlerin 2016 , dem Hanns-Lilje-Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung 2015 und im Bundeswettbewerb »Aktiv für Demokratie und Toleranz« 2014.


Vortragsabend in der Lamberti-Kirche

Begleitend zur Ausstellung der Heimatsucher e.V. im Schauraum gibt es am 27. Januar - dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus - einen Vortrag in der St. Lamberti-Kirche. Vanessa Eisenhardt stellt die besondere Erinnerungsarbeit der Heimatsucher vor, die die Zeitzeugen und deren persönliche Geschichte in den Mittelpunkt stellt. Beginn ist am Sonntag, 27. Januar 2019, um 20 Uhr. Vorab, um 18.30 Uhr, findet ein Ökumenischer Gottesdienst in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Forumskirche St. Peter statt.

Auf gute Nachbarschaft

Filmvorführung und Diskussion mit der Regisseurin Simone Hüttenberend
von HEIMATSUCHER e.V.
Donnerstag, 17. Januar, 19 Uhr

»Auf gute Nachbarschaft« erzählt von der Begegnung eines ehemaligen jüdischen Widerständlers und eines desertierten Wehrmachtssoldaten. Am Ende ihres Lebens stehen sie sich als Menschen gegenüber – neugierig auf den anderen und mit einer Offenheit, die beeindruckt. Beiden war es durch den Zweiten Weltkrieg vorherbestimmt, Todfeinde zu sein. Die Weigerung, sich dieser Tatsache zu beugen, beeinflusste ihr Leben nachhaltig und machte sie schließlich zu Nachbarn. Bei gemeinsamen Treffen philosophieren sie über das Leben und begeben sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit. Siegmund Plutznik und Carlo Lietz beweisen mit entwaffnender Menschlichkeit, dass Versöhnung kein theoretisches
Konstrukt bleiben muss.

Workshops mit den HEIMATSUCHERN

© HEIMATSUCHER e.V.
Bild von einem Workshop

Mittwoch, den 16., den 23. und den 30. Januar
Anmeldungen und weitere Termine unter k.spirawski(at)heimatsucher.de

Führungen mit einer Schulklasse
Einführung in die Arbeit von HEIMATSUCHER e.V., in die Ausstellung sowie in die Idee der Zweitzeugenschaft und die damit verbundenen Aufgaben; intensive Auseinandersetzung mit einer Überlebensgeschichte
Dauer: 1,5 Stunden; Kosten: 45 Euro

Kurzseminar mit einer Schulklasse
Einführung in die Arbeit von HEIMATSUCHER e.V., in die Ausstellung sowie in die Idee der Zweitzeugenschaft und die damit verbundenen Aufgaben; Auseinandersetzung mit mehreren Überlebensgeschichten; persönliche Briefe an Zeitzeuginnen und Zeitzeugen schreiben
Dauer: 3 Stunden; Kosten: 90 Euro

Filmworkshop mit einer Schulklasse
Einführung in die Arbeit von HEIMATSUCHER e.V. und in die Ausstellung; Vorführung von Kurzfilmen des Vereins und Diskussion mit Bezügen zur Ausstellung
Dauer: 1,5 Stunden; Kosten: 45 Euro

Jasper's Club

© HEIMATSUCHER e.V.
Workshop © HEIMATSUCHER e.V.

Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen

In Jaspers‘ Clubs treffen sich Kinder oder Jugendliche, die gemeinsam über ihre Erfahrungen, Gedanken und Fragen zu einem Themenfeld vertieft nachdenken (philosophieren) wollen. Themenfelder zu dieser Ausstellung könnten sein:

Menschlichkeit – Unmenschlichkeit
Erinnerung – Gedenken
ich – du – wir – wer noch?
oder ein Thema, dass die Gruppe findet.


Gesprächsleiterin ist Waltraud Bagge. Sie ist Lehrerin in Oldenburg und Ansprechpartnerin für die Jaspers’ Clubs.

Offene Gruppen am Nachmittag:

Dienstag, 15. Januar, 16 bis 17 Uhr
für Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren

Dienstag, 22. Januar, 16 bis 17 Uhr
für Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren

Angebot am Vormittag:
Freitag, 25. Januar, 10 bis 12 Uhr
für Schulklassen oder Schülergruppen der Jahrgänge 4 bis 10

Anmeldung und weitere Termine bei Waltraud Bagge unter jaspersclub.oldenburg(at)gmx.de

Geschichte ausstellen

Das Museum als Lernlabor für Jugendliche

Vortrag von Udo Andraschke
Donnerstag, 31. Januar, 19.30 Uhr

Für die Ausstellung über »Schule im Nationalsozialismus« (2015) im Schulmuseum Nürnberg haben Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen Lernlabore entwickelt. Anhand historischer Objekte wie Schulaufsätze, Schulbücher, Tagebücher, Briefe, private Fotografien oder Materialien aus Lehrerkonferenzen hatten sie Einblick in den Schulalltag im NS-Regime und entwickelten allgemeine historische Fragen wie: Was ist der Nationalsozialismus und warum war er so attraktiv? Wie haben Schülerschaft und Lehrkräfte auf diese Ideologie reagiert? Wie prägte der Krieg die Schule? Begleitet bei der Arbeit an ihrem Ausstellungskonzept hat sie der Wissenschaftshistoriker und Literaturwissenschaftler Udo Andraschke, Kustos der Sammlungen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Diese intensive und erkenntnisreiche Zusammenarbeit mit den Jugendlichen hat seine kuratorische Arbeit nachhaltig beeinflusst. Er wird Einblicke in die Ausstellung und ihre Genese geben sowie über deren Nach- und Nebenwirkungen sprechen.

Erinnerungen sind Leben

Eine Performance zwischen gestern und morgen

Eine Zusammenarbeit von Jugendkulturarbeit e.V. und der Fachoberschule für Gestaltung am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung
Sonntag, 3. Februar, 11.30 Uhr

Wie wird es sein, wenn Zeitzeugenschaft unmöglich geworden ist und kein Holocaust-Überlebender seine Geschichte mehr selber erzählen kann?

Anhand von Biografien Überlebender, von historischen Dokumenten und lyrischen Texten haben Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule für Gestaltung in Oldenburg jüdische Stadtgeschichte erforscht. Diese Recherche war die Grundlage für eine Performance, in der sie die Bedeutung von authentischer Zeugenschaft untersuchen. Angeleitet wurden sie durch die Referentin für politische Bildung Gina Schumm und die Lehrerin Margit Ostern. Zusätzlich inspiriert hat sie ein Seminar mit den HEIMATSUCHERN.


Veranstalter:
Stadt Oldenburg, Kulturbüro
Projektleitung Erinnerungs- und Gedenkkultur
www.oldenburg.de/kultur
Stadtmuseum Oldenburg
www.stadtmuseum-oldenburg.de
HEIMATSUCHER e.V.
www.heimatsucher.de


gefördert durch:
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