Archiv vergangener Ausstellungen 2011

27. Februar 2011 bis 30. April 2011: Orte der Sehnsucht. Norddeutsche Landschaftsmalerei.

Bild: Christoph Peter Seidel
Christoph Peter Seidel, Kontinuum, 2010, Mischtechnik auf Hartschaum. © Christoph Peter Seidel

Die Ausstellung "Orte der Sehnsucht" zeigte eindrucksvoll wie die künstlerische Verdichtung des Naturerlebens heute und einst als Thema ausgelotet wird. Der Bad Iburger Künstler Christoph Peter Seidel inszenierte in der Neuen Galerie ein monumentales Landschaftsrelief, das mit seiner pulsierenden Farbigkeit in einen aufregenden Dialog zu Landschaftsmalereien des 19. Jahrhunderts trat. Die Moderne wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem in der Landschaftsmalerei sichtbar. Angeregt durch die Schriften des Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), in denen eine neue Sensibilität für die Natur und deren seelische Auswirkung auf den Menschen aufgezeigt wird, stellten auch die Bildenden Künstler ihr subjektives Erleben der Natur in den Mittelpunkt ihres Schaffens. Auch viele norddeutsche Maler offenbarten eine ungeahnte Sehnsucht nach der Landschaft, die sich durch eine Poetisierung der Wirklichkeit in ihren Werken widerspiegelt.

27. Februar 2011 bis 22. Mai 2011: Radziwill im Norden 2011 — Franz Radziwill. „Die Schönheit des Alleinseins" - Werke nach 1945

Bild: VG Bild-Kunst, Bonn
Franz Radziwill, Schoenheit des Alleinseins. © VG Bild-Kunst, Bonn

Das Stadtmuseum beteiligte sich an der Ausstellungsreihe „Radziwill im Norden“ und präsentierte unter dem Titel „Die Schönheit des Alleinseins“ herausragende Gemälde des bedeutenden Künstlers, die nach 1945 entstanden sind. Franz Radziwill (1895-1983), der in der Kunstgeschichte als virtuoser Einzelgänger gilt, da sich seine Werke thematisch zwischen Neuer Sachlichkeit und Magischen Realismus bewegen, bleibt bis zum Ende seiner künstlerischen Schaffenszeit der gegenständlichen Malerei verhaftet. Seine Werke, die mit zeichnerischer Präzision gemalt und mit surrealer Symbolik aufgeladenen sind, besitzen eine unverkennbare Bildsprache. Die Ausstellung gab einen spannenden Einblick in das Spätwerk von Franz Radziwill, das geprägt ist von den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges und der Leere und Einsamkeit der Nachkriegszeit. Die Sujets in dieser Schaffensphase reichen von phantastischen Landschaften über mystisch karge Stillleben und eindringlichen Porträts. Immer wieder dargestellt ist der Mensch, der traumverloren in apokalyptischen Bildwelten wandelt, in denen Raum und Zeit still zu stehen scheinen. Die Ausstellung wurde vorwiegend mit Werken aus dem eigenen Sammlungsbestand des Stadtmuseums realisiert.

8. Mai 2011 bis 12. Juni 2011: Bewegte Frauen. Fotografien von Doris Waskönig.

Bild: Doris Waskönig
Doris Wakoenig, Gesche. © Doris Waskönig

Die Ausstellung "Bewegte Frauen. Fotografien von Doris Waskönig" dokumentierte eine beachtliche Bandbreite von berufstätigen Frauen in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern in der Stadt Oldenburg und der Region. Über 60 Frauen hat Doris Waskönig aufgesucht und jeweils in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld porträtiert. Der Fotografin gelingt es, die jeweils individuelle Ausstrahlung und Persönlichkeit der Frauen im Bild festzuhalten und so die faszinierende Vielfalt der verschiedenen Lebenswege zu dokumentieren. Eine Besonderheit der Ausstellung lag darin, dass die Frauen selber zu Wort kamen. In Interviews gaben sie einen Einblick in persönliche Lebensentwürfe und berufliche Entwicklungen. Zugleich vermittelten die individuellen Antworten der Frauen einen Eindruck davon, welche Schwierigkeiten, aber auch Lösungswege es gibt, Kinder, Küche und Karriere zu vereinen. Die Ausstellung hat sich den Problemen wie auch den Errungenschaften unserer heutigen Geschlechterpolitik aus der Perspektive der Frauen gewidmet, wobei sich individuelle und gesellschaftliche Fragestellungen verknüpfen.

30. Mai 2011 bis 19. Juni 2011: Walter Zurborg - Förderpreis 2011 Skulptur und Installation

Foto: Stadtmuseum
Walter Zurborg, Nut, 2011. © Walter Zurborg

Die Installationen des Künstlers Walter Zurborg basieren häufig auf von Maschinen gelenkte Elemente. Seine Werke geraten durch computergesteuerte Motoren in Bewegung und laden den Betrachter zuweilen zur Interaktion ein. Dabei steht der Klang im Werk Walter Zurborgs stets im Mittelpunkt. Unter abstrusen Bedingungen veranlasst der Künstler Drähte, Motoren, Seile und Metall, aber auch Luft und Wasser, Klänge zu erzeugen. Dafür baut er aufwändige Konstruktionen, die eigens dafür gedacht sind einen simplen Ton zu generieren. Doch die Verknüpfungen dieser zahlreichen Einzelteile muten grobschlächtig, fast nachlässig an, wenn den Verklebungen und Verschraubungen so offensichtlich wenig formale Aufmerksamkeit geschenkt wird. Oftmals geraten Zurborgs archaisch wirkende Maschinen in Bewegung und mimen dramatische Vorgänge wie Wind und Wetter, physikalische Prozesse oder Urkräfte der Natur. Doch immer versteckt sich hinter den Arbeiten auch ein humorvolles Augenzwinkern, insbesondere, wenn der begleitende Titel hinzugezogen wird. Dieser verwandelt die Künstlichkeit in eine allzu menschliche Sichtweise, die dem Betrachter als Orientierungshilfe dienen kann, gibt Rätsel auf oder entlarvt, lässt Assoziationen erscheinen und verzaubert.

1. Juli bis 14. August 2011: Anna Jander — „Lasst uns in die Stadt reiten, der Rest ergibt sich…“

Bild: Anna Jander
Anna Jander, Rudy's Barbershop, 2010, Öl auf Fotoprint. © Anna Jander

Drei Hauptthemen, die Megapolis Los Angeles, die Wüsten Kaliforniens und der Untergang der Motor City Detroit, bestimmen die inhaltliche und malerische Auseinandersetzung Anna Janders. Die in Berlin lebende Künstlerin zeigte im Stadtmuseum überwiegend großformatige Malereien der nächtlichen „Figueroa Stret“ in Los Angeles. Die aus der Entfernung häufig realistisch anmutenden Stadtansichten gewinnen mit zunehmender Annäherung an Abstraktion. Der Archetyp der urbanen Metropole setzt sich aus Bruchteilen, aufgerissenen Formen und Fragmenten zusammen. Präsentiert wurden auch eine Reihe kleinformatige, übermalte Fotografien, die wie aus dem vorbeifahrenden Auto aufgenommen wirken und können – in Reihe gehängt – wie ein Story-Board gelesen werden. Die jüngste Auseinandersetzung mit dem Thema „Detroit“ setzt sich mit dem gnadenlosen Ausverkauf einer einst blühenden Industrie- und Kulturmetropole auseinander. Anna Jander war, anders als in Los Angeles, nicht selbst vor Ort, sondern recherchierte mit Hilfe der Google Streetview Kamera.

18. November 2011 bis 15. Januar 2012: Gero Künzel. Schön ist anders! – Malerei

Bild: Gero Künzel
Gero Künzel, Kopf, 2011, Öl auf Leinwand. © Gero Künzel

Der Erfurter Künstler Gero Künzel (*1962) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und beendete sein Studium 1989 als Meisterschüler von Bernhard Heisig. Die Ölbilder von Gero Künzel faszinieren durch einen leidenschaftlichen Malduktus, bei dem er die Farben dick mit einem Spachtel aufträgt und sie dann auf den Malgrund presst. Durch die üppigen, intensiven Farben und Schlieren, die expressiv hervortreten, schafft der Künstler mit seinen Porträts und Landschaften geradezu sinnliche Farbskulpturen. Erst beim näheren Hinsehen eröffnen sich plastische Gesichter und landschaftliche Gefilde, die einen lebhaften Eindruck erwecken.

28. August bis 6. November 2011: Ausgegraben! Archäologische Funde und Befunde aus der Grabung Schlosshöfe

Foto: Stadtmuseum
Bartmannkrug, 16. Jh. Foto: Stadtmuseum

Die im Stadtmuseum ausgestellten Funde ergaben das spannende Bild eines Siedlungsgebiets, das ab dem 13. Jahrhundert intensiv genutzt wurde. Die Besucher konnten faszinierende Artefakte vergangener Zeiten entdecken, die sich oft nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche des modernen Oldenburgs fanden: Alltagsgegenstände wie Keramiken, Glasprodukte oder Lederobjekte, aber auch ein verschwundener Flussslauf, Wasserleitungen oder steinerne Geschosskugeln. Auch der Standort der alten Wassermühle – Namensgeberin der Mühlenstraße – konnte erstmals eindeutig bestimmt werden. Ans Tageslicht gekommen sind die Objekte während archäologischer Grabungen auf dem alten ECE-Gelände nahe dem Oldenburger Schloss, bevor dort die „Schlosshöfe“ errichtet wurden. Auf einer maßstabsgerecht verkleinerten Grabungsfläche konnten die Fundorte der Exponate anschaulich nachvollzogen werden. Das Gefühl „mitten in der Grabung“ zu sein, wurde verstärkt durch wandhohe Großbilder, der seinerzeit das Stadtquartier zwischen Schloss und Mühlenstraße umgebenden Gebäude, im Ausstellungsraum.

13. September 2011 bis 25. September 2011: Roger Fritz - Fotografien. Begleitausstellung zum Filmfest Oldenburg 2011

Foto: Stadtmuseum
Bei der Eröffnung (v.l): Direktor der städtischen Museen Dr. Friedrich Scheele, Roger Fritz und Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner. Foto: Stadtmuseum

Roger Fritz war mal Regisseur, mal Schauspieler, mal Kneipier, aber immer Fotograf. Berühmt geworden ist er mit Fotos von Filmstars wie Romy Schneider, Anthony Quinn, Nadja Tiller und Alan Delon. Wer etwas war im Film der 60er Jahre, der stand auch vor seiner Kamera. Ausgewählte Fotografien im Großformat zeigte das Stadtmuseum in einer Ausstellung zum Filmfest vom 13. bis 25. September 2011. Das Besondere: Roger Fritz hat die Begleittexte zu den Bildern selbst geschrieben. Und die verraten viel über die damalige Zeit.

28. August bis 6. November 2011: Herrmann Böcker. Aquarelle und Zeichnungen

Foto: Stadtmuseum
Hermann Böcker, Herbst, o.J., Aquarell. Foto: Stadtmuseum

In der Ausstellung präsentierte das Stadtmuseum Werke vom „Meister des Aquarells“, dem in Oldenburg geborenen Künstler Hermann Böcker (1890-1978). Zu sehen waren ausgewählte Aquarelle und Zeichnungen aus den Jahren 1911 bis 1970, die einen prägnanten Einblick in das Oevre des Malers bieten. Hermann Böcker, der bei dem Landschaftsmaler Gerhard Bakenhus Zeichenunterricht hatte, war wie dieser von den vielfältigen Szenerien im Moor fasziniert und malte immer wieder Motive aus dieser besonderen Landschaftsform. Nach dem ersten Weltkrieg ging Hermann Böcker nach München, sein Arbeitsumfeld wurde die die Umgebung von Dachau mit seinen von Mooren durchzogenen Auen. Mit expressiver Farbigkeit und virtuoser Unmittelbarkeit gelang es Böcker, besondere atmosphärische Stimmungen einzufangen. Die Werke stammten aus der Hermann- und Juliane-Böcker-Stiftung des Stadtmuseums, die mit insgesamt 167 Arbeiten alle Werkphasen des Künstlers umfasst.