Aktuelles Fundstück: Soldatenfoto

Porträt eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg

Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Karl August Zedelius, Soldat im Ersten Weltkrieg, um 1917. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Vor 100 Jahren endete mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstands zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien der Erste Weltkrieg. Bei dieser „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie es der Historiker George F. Kennan bezeichnet hat, verloren auch mehrere tausend Oldenburger Soldaten ihr Leben. Von etwa 220 gefallenen Soldaten aus Oldenburg, aber auch anderen Regionen, befinden sich Porträtaufnahmen in der Sammlung des Stadtmuseums. Sie stehen stellvertretend für die knapp 5.000 Gefallenen, die allein das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 verlor. Die Fotografien stammen aus dem Bestand des ehemaligen Kriegserinnerungsmuseums, das während des Krieges und bis in die 1920er Jahre im Oldenburger Schloss und später in der Huntestraße Nr. 6 untergebracht war. Mit der Ausstellung sollte das Andenken an die ‚gefallenen Helden‘ der Region wachgehalten werden. 1938 wurde das Museum aufgelöst und Teile seiner Ausstellung gelangten ins Stadtmuseum.

Eines der Fotos zeigt den aus Oldenburg stammenden Karl August Zedelius, der am 22. März 1918 gefallen ist, wie der Vermerk unterhalb des Fotos festhält. Tatsächlich ist in zwei Feldpostbriefen von ehemaligen Kameraden der Tod des Leutnants des Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91 überliefert. Er wurde am Mittag des 22. Märzes 1918 von einer Fliegerbombe getötet, während er in einem Schützengraben nahe dem kleinen Dorf Saint-Simon in Nordfrankreich lag. Ein verblasstes Foto und die Aufzeichnungen zum Tod des Soldaten machen die Schrecken des Krieges auch 100 Jahre später unmittelbar spürbar.

Karl August Zedelius starb während der sogenannten Frühjahrsoffensive, mit der das Deutsche Kaiserreich ein letztes Mal versuchte, den Krieg für sich zu entscheiden. Nichts war da mehr übrig von der Euphorie, mit der im August 1914 tausende Reservisten und Freiwillige zu den Oldenburger Kasernen geeilt waren, um an der Front ihre „vaterländische Pflicht“ zu tun. Die erhaltenen Fotos der Gefallenen – überwiegend sehr junge Männer – sind heute stumme Zeugen eines Krieges, der insgesamt fast zehn Millionen tote und etwa 20 Millionen verwundete Soldaten sowie bis zu sieben Millionen zivile Opfer forderte.