Fundstück: Karaffe

Glaskaraffe „Ernst Hoyer“

Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Glaskaraffe der Firma "Ernst Hoyer", 20. Jahrhundert. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Die Baumgartenstraße, sehr zentral zwischen Lange Straße und Achternstraße gelegen, ist heute wie früher unter anderem das Ziel von Partygängern. Außerdem siedelte sich in der Querverbindung der beiden großen Innenstadtstraßen traditionell stets Kleingewerbe an. Mehrere Gastronomiebetriebe befinden sich in dem markanten Gebäude, das sich bis zur Ecke Lange Straße zieht. Und aus eben diesem Haus stammt die Glaskaraffe in der Sammlung des Stadtmuseums.

Zwischen 1860 und 1890 entstand hier in mehreren Bauabschnitten der große Komplex des Handelshauses Hoyer. Noch heute erinnert ein altes Werbeschild an die Wein- und Spirituosenhandlung Ernst Hoyer. Neben dem Geschäft für alkoholische Getränke und Kolonialwaren befand sich im Untergeschoss der gastronomische Betrieb Hoyers Weinkeller.

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Rechts das Gebäude der Firma Hoyer, links gegenüber Fachwerkhäuser, vor deren Abriss 1965. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Die Firmengeschichte der Familie Hoyer reicht bis in das Jahr 1777 zurück. Neben dem Geschäft in der Baumgartenstraße gehörte auch eine Brauerei mit angeschlossener Seifen- und Kerzenproduktion (errichtet 1842) an der Donnerschweer Straße zum Unternehmen. Die Brauerei wurde 1922 mit Haslinde zusammengelegt zur Haslinde-Hoyer Brauerei.

Seit den 1950er Jahren wechselte die Gastronomie im Gewölbekeller des Hauses Baumgartenstraße 17-19 mehrfach. Nach der Palette Bar waren hier das Löwenbräu, der Bacchus-Keller, das Töff-Töff und dann das Montparnasse. Im Eckhaus zur Langen Straße, heute ist hier das Loft, befand sich das Gretna Green. Das Montparnasse, Lokal und Diskothek, ist vermutlich vielen Oldenburgern noch in (guter) Erinnerung. Es wurde in den 1960er Jahren zu einem beliebten Treffpunkt.

Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Postkarte zum 150. Firmenjubiläum 1927. Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Blick auf das "Gretna Green", Ecke Lange Straße, um 1965. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Bei der Glaskaraffe, ursprünglich laut Etikett für hochprozentigen Inhalt vorgesehen („35 Vol %“), handelt es sich um einen Dachbodenfund. Vor einigen Jahren konnten eine Reihe Etiketten, Firmenstempel, Unterlagen und eben auch diese Karaffe aus dem Bestand der ehemaligen Weinhandlung vom Dachboden des Hauses für das Stadtmuseum gesichert werden. Vergessen hatte die Karaffe dort mehrere Jahrzehnte in einem Regal verbracht. Auf dem großzügigen, ausgebauten Dachboden befand sich lange Zeit das Lager der Weinhandlung Hoyer. Hier wurden unter anderem die leeren Flaschen gestapelt, bevor sie vor Ort abgefüllt und verkorkt wurden.