Aktuelles Fundstück: Kachel

Hortenkachel

Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Kachel aus ehemaliger Horten-Fassade. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Ein ungewöhnliches Objekt in der Sammlung des Stadtmuseums ist eine große quadratische Kachel (Seitenlänge 55 cm). Außerhalb ihres eigentlichen Zusammenhangs ist zunächst kaum zu erkennen, worum es sich handelt. Die Kachel stammt von der Fassade des ehemaligen Horten-Kaufhauses an der Ritterstraße (heute Galeria Kaufhof). Da dieser Kachel-Typus extra für die Firma Horten entworfen wurde, trägt sie den Namen Hortenkachel.

In den 1950er und 1960er Jahren eröffneten auch in Oldenburg große Konsumtempel. Mit dem Bau der Horten-Filiale 1965 verschwand der traditionsreiche Vorgängerbau. Schon seit 1913 befand sich an der Ecke Ritterstraße/Mühlenstraße ein für damalige Verhältnisse großes Kaufhaus (Hitzegrad). In das repräsentative Gebäude im schlichten Stil der Neuen Sachlichkeit zog 1953 das Kaufhaus Merkur. Nach der Übernahme durch Horten musste das Gebäude weichen und wurde durch einen zeittypischen, den veränderten Raumansprüchen angepassten Neubau ersetzt.

Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Kaufhaus Merkur kurz vor der Eröffnung 1953. Foto: Stadtmuseum Oldenburg
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Horten-Filiale um 1966, links das alte Hallenbad. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

1995 wurde Horten von Galeria Kaufhof übernommen. In Oldenburg entstand die erste Filiale des Unternehmens. Zunächst blieb die Fassade wie sie war, 2010 wurde sie umgestaltet und sämtliche Kacheln entfernt. Ein ehemaliger Denkmalpfleger konnte eine der Kacheln während der Umbauarbeiten sichern und hat sie vor kurzem dem Stadtmuseum übergeben.

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Horten-Fassade um 1966. Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Foto: Stadtmuseum Oldenburg
Eröffnung Horten-Filiale am 15. Juni 1965. Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Die Hortenkachel wurde um 1961 von dem Architekten Helmut Rhode entworfen. In der Form entspricht die Kachel einem stilisierten H für den Anfangsbuchstaben der Firma Horten. Durch die dicht an dicht gesetzten Kacheln am Gebäude entstand die charakteristische Wabenfassade. Anfangs wurden die Kacheln aus Keramik hergestellt, so wie das Stück in unserer Sammlung; später waren sie aus Aluminium.


Dieses Fassadensystem war für Kaufhäuser äußerst praktisch. Es waren keine Fenster vorgesehen, was große Stellflächen im Inneren der Gebäude mit sich brachte. Außerdem musste bei Um- und Anbauten keine Rücksicht auf vorhandene Fassadenteile genommen werden, da sowieso alles unter den einheitlichen Kacheln verschwand.