Übergabe von „Hollandgut“ an das Stadtmuseum Oldenburg

Sondersammlung soll nationalsozialistisches Raubgut Vorbesitzern zurückgeben

Foto: Stadtmuseum
Übergabe von "Hollandgut" (v.l.): Forscherin Margarete Rosenbohm-Plate, Stadtmuseumsleiter Dr. Andreas von Seggern, Dr. Marcus Kenzler vom Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und Lühr Grolle. Foto: Stadtmuseum

Nicht zuletzt der Fall des Kunstsammlers Gurlitt lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ein besonders heikles Kapitel des Nationalsozialismus, die Arisierung. Von  der Enteignung jüdischen Vermögens zwischen 1933 und 1945 profitierten auch viele Menschen in Oldenburg. Für beschlagnahmte Güter deportierter Juden aus den besetzten Gebieten in Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich bürgerte sich der Begriff „Hollandmöbel“ ein. Das Raubgut wurde zwischen 1942 und 1944 in Eisenbahnwaggons in verschiedene Städte und Gaue verschickt. Auch nach Oldenburg kamen 884 Waggons. Das „Hollandgut“ wurde an zentralen Orten gelagert und anschließend  an Bombengeschädigte oder kinderreiche Familien verteilt oder verkauft, in Oldenburg z.B. in der Turnhalle Haarenufer.

Das Raubgut bis zur Rückgabe treuhänderisch verwalten
Das Stadtmuseum Oldenburg legt in den kommenden Jahren in Kooperation mit dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte eine Sondersammlung an, in der Objekte in Obhut genommen werden sollen, die ursprünglich aus jüdischem Besitz stammen und durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt oder geraubt wurden. Ziel ist es, die Stücke ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben, wenn diese ausfindig gemacht werden können oder sich melden. Die beiden Museen verstehen sich dabei als treuhänderische Verwalter des nationalsozialistischen Raubgutes.
 
Lühr Grolle macht in Oldenburg den Anfang
Immer mehr Nachfahren setzen sich zunehmend offen mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinander und sind bereit, sich von fraglichen Gütern zu trennen. Durch die Vermittlung der Forscherin Margarete Rosenbohm-Plate hat nun der gebürtige Oldenburger Lühr Grolle dem Stadtmuseum zwei von ihm als „Hollandgut“ identifizierte Stücke aus Familienbesitz übergeben. Es handelt sich um ein Teeservice aus Zinn im Bauhausstil und eine Zeichnung des Holländers Bouke van der Sloot. Wer in Oldenburg und im Umland Möbel, Kunstwerke und andere Gegenstände besitzt, die zu dem sogenannten „Hollandgut“ gehören, kann sich beim Stadtmuseum oder beim Landesmuseum melden. Ansprechpartner für die Sondersammlung sind Dr. Andreas von Seggern (Leiter des Stadtmuseums) und Dr. Marcus Kenzler (Provenienzforscher am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg).