Provenienzforschung am Stadtmuseum Oldenburg

Was bedeutet Provenienzforschung?

Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Die Provenienzforschung an Museen, Bibliotheken und Archiven befasst sich mit der Herkunft und der Eigentumsgeschichte der Werke und Objekte. Im Vordergrund steht dabei die Auffindung von ehemals  jüdischem Eigentum, das in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 unrechtmäßig den Besitzer wechselte, vielfach durch Beschlagnahmung. Auch Gegenstände, die jüdische Bürger in wirtschaftlicher Not veräußern oder auf der Flucht zurücklassen mussten, gelten als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut.


Aktuelles Forschungsprojekt „Kunsterwerbungen von 1933 bis 1945 auf dem Prüfstand“ verlängert bis 2020

Foto: Stadtmuseum

Im Anschluss an die bereits abgeschlossene Untersuchung der Bernhard-Winter-Stiftung wird die Provenienzforschung am Stadtmuseum Oldenburg seit Oktober 2016 konsequent fortgeführt und auf weitere wichtige Sammlungsbestände ausgedehnt. Auf dem Prüfstand stehen für die Laufzeit des aktuellen Projekts, das bis Juni 2020 verlängert wurde, alle Kunsterwerbungen, die in den Jahren 1933 bis 1945 Eingang in die Sammlungen des Stadtmuseums fanden. Bei der systematischen Spurensuche geht es um etwa 1700 Objekte. Auch Sammlungsstücke, die nach 1945 ins Haus gekommen sind, werden untersucht, wenn ein besonderer Verdacht besteht. Das langfristige Forschungsprojekt betreut die Provenienzforscherin Sabine Stührholdt, die zuvor in einem kurzfristigen Projekt bereits den umfangreichen Nachlass des Oldenburger Malers Bernhard Winter auf möglicherweise problematische Erwerbungen hin untersucht hat.

Neue Ausstellungsstation in den historischen Villen

Stadtmuseum Oldenburg, ehemals Slg. Friederichsen
Ehepaar Henny und Siegfried Insel mit Tochter Grete, 1937

Sondervitrine zur Provenienzforschung
Die Besucherinnen und Besucher des Stadtmuseums können sich vor Ort über die laufende Herkunftsforschung zu den Sammlungen informieren. Die Provenienzforschung findet in der Regel zwar hinter den Kulissen eines Museums statt. Erste Ergebnisse werden nun aber in einer Station in den historischen Villen öffentlich zugänglich gemacht. Eine Sondervitrine stellt einzelne Verdachtsfälle und bisher ungeklärte Fragen sowie relevante Schriftstücke aus dem Museumsarchiv in wechselnder Auswahl vor. Begleitende Bild- und Texttafeln ergänzen die Informationen. Ein Lektüretisch lädt zur weiteren Vertiefung in das Thema ein.

Im Mittelpunkt steht dabei aktuell die Geschichte von Siegfried und Henny Insel, die bis 1936 in Oldenburg lebten. Aus ihrem ehemaligen Besitz befindet sich im Stadtmuseum eine Zinnkanne und Hochzeitsschmuck, die als Schenkung 1997 ans Haus kamen. Ungeklärt hingegen die Herkunft einiger Grafiken, die das Stadtmuseum 1941 von einem Kunsthändler ankaufte. Sabine Stührholdt hofft, Fälle wie diesen klären zu können. „Es ist wichtig, dass wir die Herkunft unserer Sammlungsstücke kennen und unrechtmäßig erlangte Werke und Objekte wenn möglich an ihre ursprünglichen Eigentümer oder deren Nachkommen zurückgeben“, erklärt die Provenienzforscherin.

Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste

Ermöglicht wird die Forschungsarbeit mit Fördermitteln der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK). Die Stiftung unterstützt förderwürdige Projekte der Provenienzforschung in deutschen Museen, Bibliotheken und Archiven. Den Institutionen wird damit ermöglicht, ihre Sammlungsbestände im Hinblick auf unrechtmäßig entzogenes Kulturgut systematisch zu überprüfen. Das Forschungsprojekt am Stadtmuseum Oldenburg ist eines von insgesamt 20 langfristigen Projekten, die bisher in Niedersachsen vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste unterstützt worden sind (Stand: April 2019).

Netzwerk und Austausch

Das Stadtmuseum Oldenburg ist Mitglied im Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen, das den fachlichen Austausch auf Landesebene bündelt. Darüber hinaus besteht unter den Partnermuseen in der Region eine fundierte Kooperation.